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Echo-Interview mit Christian Steg als Anti-Kriegs-Demo-Organisator

Veröffentlicht am 23.03.2003 in Pressemitteilungen

Christian Steg (20), Zivildienstleistender aus Obersulm, ist seit Oktober 2001 Vorsitzender der Jungsozialisten in der SPD, Kreisverband Heilbronn. Er organisierte mit seinem Juso-Vorstand jenes Bündnis, das die erste große Friedensdemo gegen einen Irak-Krieg in Heilbronn am 15. Februar zustande brachte. Mit Christian Steg sprach Jürgen Dieter Ueckert.

echo: Als der Krieg im Irak begann - was fühlten und was dachten Sie? Christian Steg: Ich fühlte eine gewisse Ohnmacht. Ich befürchtete zwar vorher, dass sich Bush nicht mehr vom Kriegführen abhalten lässt, hatte aber die Hoffnung auf einen Sieg der Diplomatie nicht aufgegeben. Insofern empfinde ich eine heftige Wut auf die Regierungen der Vereinigten Staaten,
Großbritanniens und Spaniens.

echo: Wie helfen Sie dem irakischen Volk konkret? Steg: Indem wir gegen den Krieg demonstrieren, drücken wir unser Mitgefühl und unsere Solidarität mit dem irakischen Volk aus, das sowohl unter Hussein, dem Wirtschaftsembargo und jetzt auch unter den Militärschlägen leiden muss.

echo: Können Sie verstehen, dass die USA sich nach dem 11. September 2001 im Krieg empfinden?

Steg: Verstehen nicht, aber anhand der US-Geschichte kann ich es nachvollziehen. Wer nie im eigenen Land angegriffen worden ist, sondern nur auf zahlreichen Schauplätzen weltweit mit für viel Blutvergießen gesorgt hat, der reagiert natürlich mit einem Angriff im Herzen des eigenen Territoriums mit einer gewissen Panik. Ich war allerdings überrascht, dass es nach dem 11. September nicht zum direkten Gegenschlag gekommen ist. Doch gegen wen auch? Schließlich geht Terrorismus von Einzelpersonen und nicht von einem Staat aus.

echo: Nahezu 50 Organisationen aus dem Unterland und der Region sind in Ihrem Friedensbündnis vereint. Was war Ihre Motivation, diese Bewegung zu organisieren?

Steg: Nachdem sich abzeichnete, dass die amerikanische Regierung unbedingt den Krieg will, sprachen sehr viele Heilbronner davon, dass man doch auch hier dagegen ein Zeichen setzen muss. Da jemand den Anfang machen muss, nahmen mein Juso-Kollege Christian Eheim und ich das Heft in die Hand. Wir fragten viele Organisationen an, sich an einem Friedensbündnis zu beteiligen, dessen erstes Ziel eine große Demo am 15. Februar sein sollte. In Werner Winter vom Friedensbüro und dem DGB-Regionsvorsitzenden Bernhard Löffler fanden wir für den Bündnisaufbau wichtige Unterstützer.

echo: Die Front der Kriegsgegner reicht von den Kommunisten bsi zur NPD. Wer darf bei Ihnen mitmachen, wer nicht?

Steg: Insgesamt war es unser Ziel, ein breites Bündnis auf die Beine zu stellen. Bisher wurden alle anfragenden Organisationen und Gruppen aufgenommen. Die NPD hat nicht angeklopft, und ich denke auch nicht, dass wir sie aufgenommen hätten. Die Beweggründe sind doch andere: Uns geht es nicht um Anti-Amerikanismus, sondern um eine friedliche Lösung des Konfliktes.

echo: Was macht die Friedensbewegung nach dem Krieg?

Steg: Das Heilbronner Friedensbündnis wurde als Bündnis gegen den Irak-Krieg gegründet. Die Friedensbewegung hat gezeigt, dass sie wieder kampagnenfähig ist und auch eine besondere Unterstützung von Jugendlichen erfährt. Wenn das Völkerrecht erneut mit Füßen getreten wird, dann ist die Friedensbewegung sicher wieder zur Stelle.

 

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